Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe im Leistungsfach “Politik und Gesellschaft” (PuG) bereits über Wochen intensiv mit der EU auseinandergesetzt hatten, wurde es Zeit, ihr Wissen durch praktische Erfahrung zu ergänzen. Im Planspiel „What the Fake – Digitalpolitik in der EU“ schlüpften die Jugendlichen in die Rollen von Politikerinnen und Politikern im Rat der Europäischen Union und versuchten, Fake News und Hatespeech wirkungsvoll zu regulieren.
Gerade in sozialen Netzwerken verbreiten sich Fake News und Hatespeech schnell und werden selten geahndet. Wie kann und soll dieser Sachverhalt geregelt werden? Wer trägt die Verantwortung? Sind es die Plattformbetreiber, die Nutzer selbst oder der Staat? Diese strittigen Fragen standen im Zentrum unserer Simulation.
Die Teilnehmenden schlüpften in die Rollen von Ministern verschiedener EU-Mitgliedstaaten. Ausgestattet mit internetfähigen Geräten machten sich die Jugendlichen mit ihren Rollen vertraut und fanden sich in ihre Positionen ein. In der simulierten Ratssitzung verfassten sie Reden, suchten Verbündete und diskutierten sie intensiv über die notwendige Regulierung im digitalen Raum. Gleichzeitig erkannten sie, wie geregelt und strukturiert die Ratssitzung durchgeführt wurde. Die digitale Unterstützung des Spiels ermöglichte dabei eine effiziente Taktung und Abstimmung der Positionen.
Während der verschiedenen Phasen erlebten die Jugendlichen, wie schwierig die Konsensfindung zwischen vielen Nationen ist, da bereits scheinbar irrelevante Aspekte beachtet werden mussten. Dennoch zeigte sich bald, dass trotz der Übermacht der großen europäischen Staaten auch die kleinen Staaten im Gesetzgebungsverfahren Gehör finden konnten. Mit geschickten Koalitionen konnten die Schüler und Schülerinnen die europäische Politik aktiv mitgestalten.
Im Debriefing am Ende der Veranstaltung äußerten die Mitglieder des Kurses sich durchwegs positiv. Die didaktische Reduktion ermöglichte die Veranstaltung auch im relativ überschaubaren Rahmen von 15 Personen. Durch die Konzentration auf eine einzige Ratssitzung in einem Rahmen von 180 Minuten erhielten die Jugendlichen einen kleinen Einblick in den Gesetzgebungsprozess des Digital Service Act, der in der Realität beinahe zwei Jahre umspannte. Heute stellt dieses Maßnahmenpaket eines der schärfsten Schwerter gegen den sogenannten Überwachungskapitalismus der großen Tech-Konzerne dar.
Ulrich Oberender